Praxis für Systemische Therapie und Beratung in Berlin Prenzlauer Berg | Systemische Methoden: Arbeit mit inneren Anteilen - Praxis für Systemische Therapie und Beratung in Berlin Prenzlauer Berg
In Krisen und schwierigen Situationen kann es vorkommen, dass unsere inneren Anteile aus dem Gleichgewicht geraten und unser Selbst den Überblick verliert.
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Praxis für Systemische Therapie und Beratung in Berlin
METHODEN

INNERE ANTEILE

Die Arbeit mit Persönlichkeitsanteilen – häufig auch Anteilsarbeit genannt – geht auf unterschiedliche Persönlichkeitstheorien zurück, die mit hypnotherapeutischen und systemischen Ansätzen verknüpft wurden. Nach diesen Theorien ist ein Mensch nicht zu 100% das Eine oder das Andere. Er hat viele spannende Persönlichkeitsfacetten. Unsere Persönlichkeit ist vergleichbar mit einem inneren System, in dem verschiedene Anteile wirken. Jede Seite unserer Persönlichkeit hat ihre eigene Funktion, ihre eigenen Ansichten und ihre eigene Art zu kommunizieren. Z.B. ist unser innerer Kritiker gewöhnlich eher streng. Er will uns vor Dummheiten bewahren. Unsere abenteuerlustige Seite möchte, dass wir Spaß haben und neue Dinge ausprobieren. Da unser inneres System dynamisch organisiert ist, können je nach Situation unterschiedliche Eigenschaften in Erscheinung treten. Je nach Kontext kann ein Anteil eher unterstützend oder eher hinderlich wirken. Z.B. sichert unsere ängstliche Seite in einer Gefahrensituation unser Überleben, bei einem Vorstellungsgespräch kann sie uns ausbremsen.

Ein Mensch ist nicht zu 100% das Eine oder das Andere. Er hat viele spannende Persönlichkeitsfacetten.

Bei Stress, in Krisen und in schwierigen Situationen kann es vorkommen, dass das System unserer inneren Anteile aus dem Gleichgewicht gerät und unser Selbst den Überblick verliert.

Um die inneren Prozesse unserer Persönlichkeit zu erklären, hat Schulz von Thun die Metapher des „inneren Teams“ verwendet. Gunther Schmidt und andere Systemiker sprechen von einer „inneren Konferenz“, einem „inneren Parlament“ oder unserer „inneren Familie“. Virginia Satir hat die Methode der „Parts Party“ entwickelt. Alle folgen der gleichen Idee: Ähnlich wie in einem Team herrscht auch unter unseren Persönlichkeitsanteilen eine Gruppendynamik. Unsere inneren Anteile haben unterschiedliche Aufgaben, Kompetenzen und Meinungen. Es gibt Anteile, die gut zusammenarbeiten und sich unterstützen und welche, die sich widersprechen und sogar im Weg stehen (z.B. der Kreative und der Pragmatiker). Wie in jedem Team, gibt es auch in unserem inneren Team einen Chef – unser Selbst. Es ist der Kern unserer Persönlichkeit und führt unsere inneren Mitarbeiter. Es sorgt für Struktur, ist dafür verantwortlich, dass sein Team gut zusammenarbeitet und trifft die Entscheidungen.

Bei Stress, in Krisen und anderen schwierigen Situationen kann es vorkommen, dass unser inneres Team aus dem Gleichgewicht gerät und der Team-Leiter den Überblick verliert. Die Mitarbeiter sind sich uneinig. Sie streiten sich, es kommt zu inneren Konflikten und Blockaden. Entscheidungen können nicht mehr getroffen werden. Häufig drängt sich eine Seite unserer Persönlichkeit in den Vordergrund z.B. bremst uns unsere ängstliche oder zögernde Seite aus oder der Perfektionist in uns versucht, die Führung zu übernehmen oder wichtige Anteile wie z.B. unsere Lebenslust, unsere Wut oder unser inneres Kind werden vernachlässigt oder unterdrückt.

Häufig drängt sich eine Seite unserer Persönlichkeit in den Vordergrund oder wichtige Anteile wie z.B. unsere Lebenslust, unsere Wut oder unser inneres Kind werden vernachlässigt.

In Therapie, Beratung und Coaching gibt viele verschiedene Wege für eine Arbeit mit Persönlichkeitsanteilen. Es ist beispielsweise möglich mit Hilfe von Figuren und Symbolen, eine Skulptur der inneren Anteile aufzustellen oder das innere Team mit geschlossenen Augen zu imaginieren. Eine weitere Methode arbeitet räumlich mit Feldern oder Stühlen, die stellvertretend für die Anteile stehen. Ihr Vorteil besteht darin, dass die Perspektive der Anteile direkt ausprobiert werden kann und die Übung somit sinnlich erlebbar wird.

Die Arbeit mit Persönlichkeitsteilen hat das Ziel, die Zusammengehörigkeit unter den Anteilen wiederherzustellen. Das Selbst wird befähigt, erneut die Führung zu übernehmen. Auch unterdrückte oder unbeliebte Persönlichkeitsanteile finden auf diese Weise ihren Platz und können besser angenommen werden.

In einem Gespräch werden zunächst die in einem Problemkontext relevanten Persönlichkeitsaspekte definiert und personifiziert (z.B. „die Ängstliche“, „der Perfektionist“, „die Kritikerin“, die Mutige“, „der Hedonist“, „der Nervöse“, etc.). Da es sich um eine Methode mit hypnosystemischen Elementen handelt, ist es wichtig, die Eigenschaften der Anteile möglichst bildhaft zu beschreiben. Häufig wird auch ein Symbol oder eine Metapher pro Anteil gesucht (z.B. Jeanne D‘ Arc für die Kämpferin oder Loriot für den guten Humor).

Im zweiten Schritt geht es darum, die Anteile neu zu ordnen und das innere Gleichgewicht wieder herzustellen. Zuständigkeiten werden geklärt und eine gute Zusammenarbeit hergestellt. Das Selbst kann wieder seine Führungsrolle übernehmen und die Anteile gemeinsam an einer Lösung arbeiten. Dabei werden alle Anteile berücksichtigt und als Ressource geschätzt. Auch ungeliebte oder als hinderlich erlebte Persönlichkeitsanteile können auf diese Weise integriert werden. Ziel ist es, die Anteile so zu kombinieren, dass unser Handlungsspielraum erweitert, unsere Selbstwirksamkeit wieder hergestellt und unser Selbstbewusstsein gestärkt wird.